300.000 Euro: Eine Menge Geld für „Das gute Leben“

Vor gut zwei Jahren haben die Münsterlandkreise beschlossen, einen gemeinsamen Markenbildungsprozess zu starten. Bereits damals war die Grüne Kreistagsfraktion skeptisch: Zu schwammig war der Ansatz, zu beliebig erschien uns das Markenkonzept. „Die kultivierteste Landlust“, so beschrieben die teuer bezahlen Berater der Agentur „Brandtrust“ das Münsterland. Die CDU im Kreistag fand das spitze. Wir Grüne fanden das ziemlich piefig.

Wahrnehmbar war vom mit viel Vorschusslorbeeren gestarteten Markenbildungsprozess dann lange Zeit nichts. Dann meldete sich der mit der Umsetzung betraute Münsterland e.V, mit dem Wunsch nach einem deutlichen finanziellen Zuschlag. 300.000 Euro soll der Kreis Borken künftig jedes Jahr für die Marke Münsterland auf den Tisch blättern. 1,125 Millionen kommen so jedes Jahr aus dem gesamten Münsterland zusammen. Zu dieser „fetten Rechnung“ wurde dann auch der neue Slogan der Region offiziell vorgestellt: „Das gute Leben“ oder „das Gute leben“ – lesbar in zwei Varianten, wie man’s nimmt – und mag. Optisch untermalt wird dieser Claim von ei­nem modernisierten Logo, das Stadt und Land symbolisiert – ei­ne Weiterentwicklung des altbekannten, bunten Barcodes.

Markenbildung ist eine Investition in die Zukunft, hatte Christoph Engl von der Agentur „Brandtrust“ schon 2017 gesagt. Der demografische Wandel nebst einhergehendem Fachkräftemangel macht es nötig, verstärkt die Aufmerksamkeit von Nicht-Münster­ländern auf die Region zu lenken, ihr Interesse zu ­wecken – oder noch besser: ihnen richtig Lust darauf zu machen. Den Kern der Region, quasi ihre DNA, soll die Marke spiegeln. Die Imagefilm die der Münsterland e.V. dazu im Kreisausschuss präsentierte griffen jedoch auf Bekanntes zurück: vor allem Schlössen aus allen Teilen des Münsterlandes – gefilmt aus der Luft und vom Boden – dominierten die Präsentation.

„Die Kampagne erricht die selbst gesteckten Ziele nicht,“ kritisierte daher auch Jens Steiner, stv. Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag. Sie fokussiere sich im Wesentlichen auf das Tourismusmarketing. Wie damit Fach- und Führungskräfte für die Region gewonnen werden sollen, hätten die Verantwortlichen auch auf wiederholte Nachfrage nicht darlegen können. „300.000 Euro jedes Jahr für ein paar bunte Plakatwände auszugeben, ohne einen klaren Plan, was damit tatsächlich erreicht werden soll, ist uns zu wenig,“ kritisierte Dietmar Eisele, stv. Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Bauen des Kreistags.

Gerade entlarvend für die Mehrheit aus CDU und FDP, die die Kampagne trotz aller Kritik durch den Kreistag drückten, war, dass sie einen Änderungsvorschlag der SPD, die Kampagne nach drei Jahren durch einen externen Experten auf ihren Erfolg hin bewerten zu lassen, ablehnten. „Wer die Erfolgskontrolle scheut, dem ist klar, dass sein Projekt nicht das Gelbe vom Ei ist,“ fassten die Grünen zusammen.

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